Wir haben kleine Ängste und große.
Ich habe letztens eine Frau gesehen, auf deren T-Shirt stand: I am afraid of nothing.

“Ich habe vor nichts Angst.“
Klingt das nicht großartig?

Was wir alle zum Thema Angst kennen, ist: fight or flight. Wir kämpfen oder fliehen.
Total spannend zum Thema Angst finde ich das Buch von Dr. Lissa Rankin, „The fear cure“ (auf Deutsch „Mut zur Angst“).
Besonders interessant ist, dass sie keine Psychologin ist, sondern Ärztin und deshalb geht es in ihrem Buch unter anderem darum, was Angst mit unserem Körper alles so anstellt.
Wieso ich euch aber gerade von ihrem Buch erzähle, ist folgendes:
Sie unterteilt Angst, fear, in “true fear“ und „false fear“. Die eine Angst, true fear, löst notwendige Stressreaktionen in unserem Körper aus um uns zu beschützen, also wenn wir wirklich bedroht sind. Die andere Angst, die uns viel häufiger beschäftigt, nennt sie „false fear“. Hier geht es um etwas, das nur in unserem Kopf, also in unserer Vorstellung existiert. Diese Angst kann uns auch helfen, wenn wir sie nicht loswerden wollen, sondern auf sie hören und schauen, was wir von ihr lernen können und wie wir mit ihrer Hilfe wachsen können.

Oft fühle ich mich mutig und riskiere einiges.
Generell habe ich allerdings Angst, mir – vor allem körperlich – weh zu tun.

Neuerdings hatte ich Angst vorm Fahrradfahren. Ich hatte letztes Jahr einen Fahrradunfall. Zuerst hielten sich Angst und Schmerzen noch in Grenzen und ich habe mir sogar ein neues Fahrrad gekauft.
Dann aber war klar, dass ich doch nicht nur ein paar Prellungen hatte. Ich hatte monatelang sehr starke Schmerzen und habe eine richtige Ärzteodyssee hinter mir, mit x MRTs und mit fiesen Ideen, was die Ursache dafür sein könnte, dass der Arm noch nicht wieder richtig funktionieren wollte.
Und damit einher kam, dass mir die Vorstellung, wieder Fahrrad zu fahren, sehr absurd vorkam und ich merkte, dass ich richtig Angst davor hatte.

Ein paar Tage, bevor ich nach Sahlenburg gefahren bin, habe ich entdeckt, dass der Vermieter auch Fahrräder verleiht. Mehr aus Witz habe ich zu meiner Mutter gesagt: “Schau mal, dort gibt es Leihräder.“ Ich habe es gar nicht ernst gemeint.

Vor Ort habe ich viele Radfahrer gesehen und plötzlich hatte ich auch Lust Fahrrad zu fahren.
Abends habe ich mir dann die verfügbaren Räder angeschaut. Das weiße Rad sah handhabbar aus. Ein paar Minuten und ein „Darf ich das mal ausprobieren?“ später saß ich auf dem Rad.
Der Deal, dass ich das Geld für das Rad nur zahlen würde, wenn ich es benutze, hat für mich noch mehr Druck rausgenommen.

Ich bin wirklich, wirklich langsam losgefahren. War ja egal, ich war alleine unterwegs. Und meine Angst durfte da sein.
Ich bin über eine Straße gefahren und durch einen Wald. Ich habe die Rücktrittbremse ausprobiert. Ich habe beide vorderen Bremsen ausprobiert. Und ich habe langsam ein Gefühl für das Rad bekommen. Und als ich gemerkt habe, dass mich die Aktion langsam erschöpft hat, bin ich einfach wieder umgekehrt.

Das Ganze alleine zu machen, war großartig. Ohne jemanden, der mich anfeuern oder anleiten wollte. Ganz entspannt. Ich habe meine Angst gefühlt und langsam meine Grenzen ausgetestet. Und ich wollte meine Angst nicht loswerden. Ich war in Entdeckerlaune.

Am nächsten Abend saß ich gerade am Tisch und habe mir ein Video von Laura Malina Seiler angeschaut und plötzlich schien die Sonne.
Und mich packt unbändige Lust wieder zu radeln.
Ich laufe runter, schnappe mir das Rad und trete in die Pedale. Normal. Und habe keine Angst mehr.
Stattdessen erfüllt mich eine kindliche Freude.
Ich kann das! Ich kann Fahrradfahren!

Während des Radelns denke ich darüber nach, dass ich ja auch nie nicht Fahrradfahren konnte. Ich war aus anderen Gründen gestürzt:

  • ewig nicht gefahren
  • mit einer Gruppe zusammen zu schnell für meine Kondition gefahren
  • wollte gar nicht mitfahren und hatte nicht abgesagt um jemanden nicht zu verärgern (übrigens ausschließlich IMMER eine schlechte Motivation)
  • fremdes Rad mit anderen Bremsen

Ich war losgefahren, weil ich nochmal ein Feld mit wunderbar rötlich leuchtenden Ähren sehen wollte, wie am Vorabend. Dort angekommen, bin ich weitergefahren und meine Tour hat mich bis zum ca. 3 Kilometer entfernten Strand geführt, wo ich erst die frische Seeluft und dann von einem Café aus den Sonnenuntergang genossen habe.
Meinen ganzen Ausflug lang hatte ich Freude im Herzen – und habe auf mich gehört. Deshalb habe ich auch eine Pause im Café gemacht und mir ein Schokoeis gegönnt.

Also, nochmal zusammen gefasst: Wie kannst du deine Ängste überwinden?

  1. Werde dir deiner Angst bewusst.
  2. Stell dich deiner Angst, wenn du Zeit hast und in Ruhe bist – und allein.
  3. Dränge dich zu nichts, sondern schau dir einfach mit einer Entdeckerlaune deine Angst an und erlaube ihr da sein sein.
  4. Gehe in deinem eigenen Tempo vor.
  5. Sei zufrieden mit dem Ergebnis, egal wie es aussieht.

Ich habe meine Angst überwunden, alleine und im wahrsten Sinne des Wortes in meinem Tempo.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Ängste entdecken und überwinden.

Be happy & be light

Deine Janina