Ich sitze in einer kleinen Kaffeerösterei in Cuxhaven und genieße einen Latte Macchiato.
Am Tisch neben mir sitzen zwei junge Mädchen, lachen und essen Kuchen. „Ich bewundere, dass die beiden schon genau wissen, was sie machen wollen“, sagt die eine und schildert dann, dass sie im Gegensatz zu diesen beiden Bekannten noch keine Ahnung hat, was sie mal machen will. Obwohl ich nicht konkret zuhöre, schnappe ich immer mal einige Stichworte auf:

Studium – wollen wir wirklich im Büro arbeiten – VWL, ist das nicht langweilig? – was ist eigentlich der Unterschied zu BWL – und was gehört eigentlich bei BWL alles an Fächern dazu? – duales Studium – die beiden fangen direkt im September an.

Interessant. Dies und einige andere Gesprächsfetzen lassen mich darauf schließen, dass die beiden gerade Abi gemacht haben.

Mann, ist mein Abi lange her. 17 Jahre um genau zu sein.
Normalerweise würde ich mich jetzt ins Gespräch einmischen. Ich könnte so viel zu ihren Fragen sagen, zu den gestellten und zu den unausgesprochenen. Ihnen erzählen, wie wichtig es ist, etwas zu tun, was sie lieben. Ihnen meine Erfahrungen schildern. Und ihnen auch sagen, dass sie keine Angst vor der Entscheidung haben müssen. Ist ja nicht so, als müssten wir heutzutage bis an unser Lebensende das arbeiten, was wir einmal gelernt haben. Selbst umentscheiden ist ok. Schon allein wenn ich mir meinen Werdegang angucke, weiß ich, dass er auf den ersten Blick nicht unbedingt gradlinig ist. Beziehungsweise nicht das, was ich beim Abitur noch gedacht habe, was ich mal arbeiten würde. Trotzdem macht alles Sinn, so wie ich es gemacht habe.

Wow, was für ein Luxus! Welche Möglichkeiten wir alle haben … Theoretisch können wir alles arbeiten, was wir wollen. In unserer aktuellen Zeit und in Deutschland stehen uns so gut wie alle Türen offen. Ich habe einige Kunden über eine Förderung vom Land NRW kennen gelernt, die diesen Luxus nicht hatten und die ihre Heimat verlassen mussten oder wollten.
Am liebsten möchte ich die beiden in meiner Begeisterung anstupsen und ihnen sagen: „Oh mein Gott, ist das nicht toll? Ihr könntet ALLES werden! Wenn ihr träumen könnt, was wollt ihr sein? Was wollt ihr jeden Tag machen? Was erfüllt euer Herz mit Freude und Begeisterung?”

Anstatt die beiden anzuquatschen lasse ich ihre Worte langsam wieder im Hintergrund verschwimmen. Schließlich bin ich für mich hier. Meine letzten Wochen waren turbulent und vollgequetscht. Einige Male war das, was passiert ist, so laut, dass es mir schwer gefallen ist, mich selbst noch zu hören.

Jetzt hat es sich so ergeben, dass ich einige Tage allein in einer wunderschönen Wohnung in Cuxhaven bin.
Und ich habe beschlossen: Me-Time. Zeit nur für mich.
Das obere Schlafzimmer ist toll beleuchtet und ich nutze es zum Meditieren, zum Gedankenordnen und um mein neues Vision Board zu erstellen.

Mein Handy ist schon seit ca. 24 Stunden aus. (So genau kann ich es nicht sagen, weil ich nicht mal annähernd weiß, wie spät es ist.) Und so sitze ich jetzt an einem Samstagnachmittag in diesem Café, nur mit mir selbst und einem Latte Macchiato und kann mir selbst zuhören.

Gerade erst vor ein paar Tagen habe ich mit einer Kundin darüber gesprochen, wie sie sich beruflich entwickeln will. Sie wollte mit meiner Hilfe herausfinden, was das genau sein kann, was sie wieder mit Begeisterung erfüllt. Während des Beratungsgespräches haben wir dann festgestellt, dass sie nicht annähernd weiß, was sie überhaupt will, weder beruflich, noch privat.

In unserem trubeligen Alltag, mit ständigen und oft willkommenen Ablenkungen passiert es so leicht, dass wir den Fokus auf uns selbst verlieren, dass wir uns von außen beeinflussen lassen oder in die Richtung mitgehen, in die wir gerade mitgerissen werden.

Deswegen kann ich dir empfehlen, dass du auch mal Zeit nur mit dir selbst verbringst: Um dich selbst kennen zu lernen und dir zuzuhören. Um auf dich eingehen zu können und um herauszufinden, was du eigentlich willst.

Ich wünsch dir ganz viel Spaß dabei!

Be happy and be light

deine Janina