Was ich ja ganz gruselig finde, ist dieses „Einwandbehandlung“. Und ich sag bewusst: DIESES.
Im Laufe meiner Selbstständigkeit habe ich mich immer wieder mal mit dem Thema Verkaufen beschäftigt – und meistens wieder damit aufgehört, wenn ich dann auf „Einwandbehandlung” gestoßen bin.
 
 
Vielleicht liegt es bei mir daran, WAS ich verkaufe. Wenn ich jemandem etwas verkauft habe, fängt meine eigentliche Arbeit ja erst an: Ich verkaufe meine Dienstleistung – die führ ich ja selbst aus – und die passt nicht für jeden. Und jeder passt halt auch für mich nicht. Heißt: ich hab ja auch keine Lust mit jedem zu arbeiten.
 
Da fällt mir eine Situation von einem Moment zu Beginn meiner Selbstständigkeit ein, als mich ein Typ gefragt hat: „Stell dir mal vor, ich bin total unorganisiert, hab aber echt keinen Bock auf deine Beratung. Wie überzeugst du mich?“
Mal davon abgesehen, dass ich generell keine Lust habe mich in einem ungefragt eingeleiteten Rollenspiel von einem – meist männlichen – Gegenüber von oben herab mal „spontan challengen“ zu lassen (sorry, das ist echt nicht meine Wortwahl, ist mir aber tatsächlich schon so passiert) …
… ist meine Antwort darauf: GAR NICHT
 
 
Ich stell mir gerade vor, wie du auf meine bis jetzt gesagten Worte reagierst:
Wie du verständnisvoll nickst, weil dir das schon passiert ist. Oder weil du selbst nichts von dieser Einwandbehandlung hältst.
Wie du vielleicht empört guckst, weil ich das „Rollenspiel“ auf Männer bezogen habe. (Tut mir auch echt Leid irgendwie, ist mir aber echt mehr mit Männern passiert).
Wie du total entsetzt bist, weil du Herzblutverkäufer bist – oder einfach eine andere Meinung hast.
 
 
Ich hab mich vor einigen Wochen dazu entschieden, noch bewusster mit meiner Zeit und mit meinen Grenzen umzugehen.
Wie oft nehmen wir doch die Überschreitung eines Neins hin, aus den unterschiedlichsten Gründen.
Ich bin ja zum Beispiel generell gerne freundlich und mag auch Freundlichkeit. Aber nicht mehr bis über die Überschreitung von Grenzen hinweg. Ist dann nämlich mir gegenüber nicht freundlich.
 
Hier ein paar Situationen:
Türklingel. Mir wird ein Katalog entgegengestreckt. Ich lehne freundlich ab.
„Sie können ja nur mal durchblättern.“
Nein, ich möchte wirklich nicht.
 
Ähnliche Situation, nur diesmal standen meine Mitarbeiterin und ich vor der Tür, wollten gerade eine Runde mit meinem Hund spazieren gehen UND ich war gerade dabei meine Haustür abzuschließen.
Erstes Nein: Hund streicheln – hat er dann doch gemacht.
Zweites Nein zum Katalog: „Der ist auch umsonst“
Da der schon irgendwie im Weg in der Einfahrt stand, hab ich dann gesagt, er könne ihn in den Briefkasten werfen – WIR wollten ja gerade gehen.
Hat er gemacht und dann ging es weiter: „Sie werden dann angerufen.“
Nein danke, ich blätter mal durch und melde mich, wenn ich Interesse habe.
 
Daraufhin hat er, ähnlich wie bei einem Kind, verschiedene Phasen durchlaufen, weil ich ihm meine Nummer nicht gegeben habe.
Ich bin dann tatsächlich hartnäckig bei meinem Nein geblieben, obwohl er aufdringlich und ebenso hartnäckig war. Mehrfach nachgefragt, mir Argumente entgegen geschleudert (übrigens während ich dann angefangen habe Gassi zu gehen). Sich als Opfer dargestellt, dass er ohne meine Nummer keine zwei Euro bekommt. (Aha, das ist also der Preis für meine Telefonnummer mit Einverständnis zum Anruf als Privatperson.) Und dann hat er angefangen, mir wütend hinterherzurufen, dass ich dann ja mit dem Katalog basteln könne.
 
Den Katalog wolle er nicht zurückhaben. Das hatte ich ihm direkt angeboten, bin ja nicht gemein – wollte ja nicht, dass er Stress hat, weil er den nur für Nummern verteilen kann: obwohl das „kostenlos“ ja irgendwie gelogen war und es auch irgendwie doof ist, den einzuwerfen, bevor er die Nummer hat.
 
Also, falls du deine Neins mal üben willst, ist das eine gute Situation, die sich dir bestimmt in nächster Zeit mal bietet.
 
Ich hatte die Anregung zu diesem Inhalt letzte Woche bei einem Telefonat – und hab mir eineinhalb Stunden später ein Loch in den Bauch gefreut, dass ich diesem unangenehmen Erlebnis noch etwas abgewinnen konnte 😉
 
Wenn mich jemand, vor allem mit Mobilnummer, auf meinem Handy anruft, ruf ich ja doch meistens zurück. Diese Nummer hatte mir schon mehrfach keine Nachricht hinterlassen. Macht mich dann ja schonmal eher stutzig. So viel vorab. Beim Rückrufversuch keiner rangegangen. Damit die Anrufe dann aufhören, hab ich kurz einen Zweizeiliger als Nachricht geschickt: Worum es denn geht.
Darauf folgte prompt der Rückruf. Person sagt mir einen auswendig gelernten Text auf, dabei mehrfach ihren Namen, irgendwas mit Coaching und Trainer zum Erfolg führen.
Ich kann sagen: Es ist schonmal ein schlechter Einstieg, wenn du an meine Impressumsadresse Post schickst, die Werbung ist, OBWOHL ich darum bitte, dass das nicht passiert.
 
Ob ich die Werbung bekommen habe? Na gut, Werbung hat sie sicher nicht gesagt …
Ach, Sie waren das? Bitte machen Sie das nie wieder. Ist schon ok, die haben nicht das ganze Ding gescannt, Kosten waren überschaubar.
Ok, ist sie nicht für zuständig – nach deutlichem Zögern: gibt sie weiter.
Wohin sie mir das dann nochmal zuschicken kann?
Als ich wissen will, worum genau es denn geht, sagt sie: Das habe ich doch gerade schon gesagt.
Hm, okay, gnädigerweise wiederholt sie mir nochmal, dass ihr Chef Leuten helfen, sich ein Premium-Business aufzubauen.
Als ich erwidere, dass ich kein Interesse habe, fängt sie damit an, was ich eingangs beschrieben habe.
Och nö.
Offensichtlich steht mein Satz nicht in ihrem Leitfaden, denn als ich das Telefonat beenden möchte, wird sie ganz wütend und sagt mir, ich sei pampig und unfreundlich – sie selbst sei ja freundlich. Was ich im Übrigen nicht bestätigen kann, spätestens ein „Das habe ich doch gerade schon gesagt“ finde ich in den seltensten Fällen freundlich.
 
Ich lege dann übrigens mit einem „Dann können wir das Telefonat ja beenden“ auf.
Nachdem ich zur Energieregulierung ein bisschen getrommelt habe, reflektiere ich das Telefonat und lache darüber.
Ist immer witzig, wie wir uns ja auch in den Begegnungen mit anderen wiedertreffen und anderen manchmal auch direkt etwas sagen, was uns selbst betrifft. Und hiermit meine ich jetzt den „Unfreundlich“-Kommentar.
 
Und schaue mir dann auch direkt noch an, wo ich da unfreundlich war:
Zum Beispiel zu mir selbst, weil ich das Telefonat angenommen habe, als ich mir schon dachte, dass es Werbung ist.
Und wie ich es nicht noch früher beendet habe.
Und zu ihr war ich sicher auch nicht mega freundlich, schon gar nicht ab dem Zeitpunkt meiner Nachfrage, worum es geht.
Und kann sehen, dass ich das ok finde.
 
Wenn ich eine Grenze setze, ein Nein sage, dass ich kein Interesse habe und darüber hinweggegangen wird, dann ist Freundlichkeit nicht der richtige Weg. Oder, wie im Titel dieser Folge: Da stößt Freundlichkeit an ihre Grenze.
 
Und da reicht dann auch kein „Ich möchte lieber nicht“ aus meiner letzten Folge.
Das „ich möchte lieber nicht“ ist die Haltung, das Bewusstmachen. Und wie das mit dem Umsetzen dann geht – das kann sich ganz unterschiedlich äußern: mit einem klaren Nein, mit einem „ich möchte wirklich nicht“, mit einem Beenden eines Gesprächs.
Egal, was der andere dann macht, weil er nicht bekommt, was er will. Ob er schmollt, sich als Opfer hinstellt, wütend wird, dich beleidigt …
Das erinnert mich an etwas Spannendes von Deepak Chopra, das ich im Herbst gelernt habe.
Das will ich euch auch nochmal erzählen. Diese Folge ist schon lang genug geworden.
 
Also: Mach dir bewusst, was du lieber nicht möchtest. Immer und immer wieder. Falls du sie noch nicht gehört hast, hör dir gern auch meine letzte Folge dazu an. Und auch eine meiner ersten Folgen, die mit den Lamas und den Grenzen.
 
Und dann setz die Grenze und schubs die, die drüberklettern wollen, auf ihrer Seite wieder runter.
Auch wenn du dann mal ein bisschen weniger freundlich bist als sonst.
 
Berichte mir gern von deinen neuen Grenzen!
 
Be happy & be light
 
Deine Janina
 
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